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Thomasmesse in Deutschland
Die erste
ThomasMesse in Deutschland fand 1993 statt. Vorausgegangen war eine
Tagung im Gemeindekolleg der VELKD, auf der die ThomasMesse von
Mitgliedern der Thomas-Messen-Initiative Helsinki vorgestellt wurde.
Inzwischen hat sich die ThomasMesse in ganz Deutschland verbreitet.
In mehr als vierzig Orten wird dieser Gottesdienst gefeiert. Die
Intervalle sind dabei an den einzelnen Orten unterschiedlich. Sie
reichen von einmal monatlich bis zu dreimal jährlich.
Zwei Grundfragen
standen auch in Deutschland am Anfang der „Bewegung ThomasMesse“:
„Wie müsste ein Gottesdienst aussehen, zu dem ich meine
kirchenfernen Freunde mitnehmen würde?“ und: „Was ist meine Gabe,
die ich in den Gottesdienst einbringen kann?“
Beide Fragen
weisen auf zwei wesentliche Kennzeichen der ThomasMesse hin:
- Die ThomasMesse will ein
Gottesdienst sein, der Menschen wieder oder neu einen Zugang zum
Gottesdienst eröffnet.
- Und die ThomasMesse lebt von
der Vorbereitung und Gestaltung durch eine Gruppe, in der Ehren-
und Hauptamtliche „auf Augenhöhe“ gleichberechtigt
zusammenarbeiten. Die erste Voraussetzung für die Feier einer
ThomasMesse ist immer ein interessierter Trägerkreis von
Personen, die sich miteinander auf den Weg zu ihrer (ersten)
ThomasMesse machen und dabei die Bereitschaft mitbringen, einen
gabenorientierten Prozess zuzulassen.
Dabei wird der
Gottesdienst nicht sozusagen „neu erfunden“ – die Grundstruktur des
christlichen Gottesdienstes wird insgesamt beibehalten. Die
ThomasMesse unternimmt „nur“ den Versuch, den Gottesdienst bewusst
so zu gestalten, dass die realen Lebenssituationen heutiger Menschen
und die Schätze der christlichen Glaubenswelt mit ihrer Tradition
sich begegnen.
Das geschieht vor
allem dadurch, dass es (vor oder nach dem Verkündigungsteil) in der
ThomasMesse eine „Offene (Gebets-)Zeit“ von ca. 20 Minuten
gibt, in der die Menschen eingeladen werden, sich in dem dafür
ausgestalteten Kirchenraum zu bewegen und auf die ihnen jeweils
angemessene Art und Weise aktiv am Gottesdienstgeschehen zu
beteiligen: zusätzlich zum Hauptaltar werden je nach Möglichkeit
mehrere Stationen („Seitenaltäre“) aufgebaut, die zur Besinnung und
zum Gebet einladen. Diese Orte werden jeweils bezogen auf das Thema
der einzelnen ThomasMesse gestaltet. Wer will, kann ein
Gebetsanliegen aufschreiben. Ausgewählte Fürbitten werden dann im
Gottesdienst verlesen. Es gibt die Möglichkeit, eine Kerze
anzuzünden und dabei ein stilles Gebet zu sprechen.
Ein fester
Bestandteil dieser Offenen Zeit ist das Angebot der persönlichen
Segnung und Salbung. Hier berührt sich diese Gottesdienstform mit
der (in der evangelischen Kirche wieder neu entdeckten) Tradition
der Salbungsgottesdienste.
Wichtig ist, dass
in dieser Phase der Beteiligung jede/r das für sich stimmige Maß von
Distanz und Nähe selbst bestimmen kann: man kann als „aktiver
Zuschauer“ an seinem Platz sitzen bleiben oder aufbrechen und sich
beteiligen – bis hin zur dichtesten Form der Berührung bei der
persönlichen Segnung und Salbung.
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